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Presse-Bereich: Aktuelles aus der ZOO & Co. Welt

Sauerstoff ist Leben, vor allem im Gartenteich Wasserlebewesen sind noch stärker vom Sauerstoffgehalt abhängig als die Organismen über Wasser: Während Luft einen annähernd konstanten Sauerstoffgehalt von 20 % aufweist, ist der Sauerstoffgehalt im Wasser mit ca. 10 mg/l viel niedriger und somit extrem wichtig für das richtige Funktionieren des Ökosystems Gartenteich – und je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff ist darin enthalten. Gerade im Sommer ein Problem…

Denn bei höheren Temperaturen laufen die Stoffwechselvorgänge im Gartenteich, also die Atmung und Verdauung der Fische, der Mikroorganismen usw. auf Hochtouren und sie verbrauchen mehr Sauerstoff. Als Faustregel kann man sagen, dass sich die Geschwindigkeit der Stoffwechselvorgänge schon bei einer Erhöhung der Temperatur um 5 °C verdoppelt. Je wärmer das Wasser, desto mehr Sauerstoff wird also benötigt, wobei die Menge an Sauerstoff gleichzeitig abnimmt. Übrigens reagieren Fische auf Sauerstoffmangel und auf Sauerstoffüberschuss fast gleich: Sie atmen schwerer und schneller, sind apathisch und fressen nicht.

Viel Wissenswertes zum Thema Sauerstoff verrät Dr. Sandra Lechleiter, Fachtierärztin für Fische, im Interview mit ZOO & Co.

ZOO & Co.: Frau Dr. Lechleiter, Sauerstoff ist Leben. Können Sie uns etwas zu diesem Thema in Bezug auf die Fischhaltung in Gartenteichen sagen?
Dr. Sandra Lechleiter: Ja, gerne. Das Thema Sauerstoff ist sehr wichtig, da er in Teichen schnell zum limitierenden Element wird. Das soll heißen, dass Sauerstoffmangel sowohl im Sommer als auch im Winter schwere Fischprobleme und natürlich auch Krankheiten auslösen kann.
ZOO & Co.: Können Sie uns das genauer erklären?
Dr. Sandra Lechleiter: In unserer Atemluft ist Sauerstoff in sehr konstanter Konzentration enthalten. Ein Liter Luft enthält ca. 200 mg Sauerstoff. Im Wasser dagegen ist vergleichsweise wenig Sauerstoff gelöst. Bei einer Wassertemperatur von 10°C haben wir maximal 11mg/l, bei 20 °C schon nur noch 9 mg/l und bei 25 °C nur etwa 8 mg/l. Fische müssen daher wesentlich mehr Energie in die Sauerstoffaufnahme stecken als wir Landlebewesen. Hinzukommt, dass der Gehalt großen Schwankungen unterworfen ist. Tagsüber produzieren alle grünen Pflanzen (auch die Algen) Sauerstoff, in der Nacht dagegen zehren sie Sauerstoff und geben Kohlendioxid ab. Fische müssen sehr anpassungsfähig sein, um mit den Schwankungen klarzukommen.
ZOO & Co.: Was heißt das in der Praxis für den Sommerbetrieb?
Dr. Sandra Lechleiter: Im Sommer kämpfen viele Teiche mit Algenblüten. Daher ist im Sommer besonders auf die Sauerstoffversorgung in der Nacht zu achten. Gerade in Wohngebieten werden nachts wegen der Geräusche Pumpen, Bachläufe oder Springbrunnen ausgeschaltet. Dabei herrschen nachts für die Fische echte Mangelbedingungen, wenn die Algen den Sauerstoff verbrauchen. Im Sommer wird zudem gerade am Abend, wenn die Menschen Zeit für ihre Fische und den Teich haben, noch einmal gut gefüttert. Die Fische brauchen zur Verdauung des Futters und der Filter zu Entgiftung der hieraus resultierenden Ausscheidungen jedoch zusätzlich Sauerstoff, der Bedarf im Teich steigt daher nach der Fütterung in der Nacht an. Wenn Gartenteichfische am frühen Morgen am Boden sitzen oder am Bachlauf oder Filtereinlauf hängen, ist dies ein Alarmzeichen dafür, dass in der Nacht Sauerstoffmangel geherrscht hat.
ZOO & Co.: Was kann man dagegen tun?
Dr. Sandra Lechleiter: Filter müssen auch in der Nacht unbedingt durchlaufen. Man kann mit Membranpumpen und HighBlows (Luftkompressoren) zusammen mit Ausströmern den Teich und Filter zusätzlich belüften. Das macht kaum Lärm und sichert das Überleben der Fische in den warmen Sommernächten.
ZOO & Co.: Könnten Sie uns auch noch etwas zum Sauerstoff im Winter sagen?
Dr. Sandra Lechleiter: Im Winter tritt häufig Sauerstoffmangel in den Teichen auf, wenn sie mit vielen Fischen, besonders auch großen wie Koi, besetzt sind. Sobald die Filteranlagen ausgeschaltet werden und sich Eis auf dem Teich bildet, ziehen sich die Fische auf den Boden des Teiches zurück. Die häufige Vorstellung, dass die Fische dann ruhen und keinen Sauerstoff mehr verbrauchen, stimmt schlicht nicht. So lange die Fische da unten am Leben sind, atmen sie und scheiden Ammoniak aus. Sind sehr viele Fische auf engem Raum oder liegen zusätzlich viel Schlamm und Laub am Boden, welche ebenfalls Sauerstoff zehren, kann es im Laufe der Wochen zu bedrohlichem Sauerstoffmangel oder einer Ammoniakvergiftung kommen. Die Fische stehen dann vom Boden auf und versuchen, sauerstoffreichere Zonen zu erreichen. Hier besteht dann die Gefahr, dass sie erfrieren oder unter dem Eis ersticken.
ZOO & Co.: Welche Maßnahmen empfehlen Sie gegen Sauerstoffmangel im Winter?
Dr. Sandra Lechleiter: Unbedingt im Oktober den Teich von Schlamm befreien und vor Laubfall schützen. Stark besetzte Koiteiche müssen eventuell abgedeckt und beheizt werden und der Filter muss laufen. Bei normalen Gartenteichen sollte man mit einem effektiv arbeitenden Eisfreihalter ein ausreichend großes Loch am Rand zum Gasaustausch frei halten. Die Eisfreihalter dürfen nicht das wärmere Wasser am Boden nach oben pumpen, sondern sollten nur die Oberfläche des Teiches in Bewegung halten.
ZOO & Co.: Wofür ist Sauerstoff denn noch so dringend notwendig?
Dr. Sandra Lechleiter:Fische, der Filter mit seinen Filterbakterien und auch die meisten anderen Lebewesen im Teich benötigen Sauerstoff für die Atmung zur Versorgung der Gewebe und der Stoffwechselvorgänge. Zum Beispiel verbrauchen die Bakterien im Filter giftiges Ammonium und Sauerstoff, um hieraus Nitrit zu machen, andere nutzen das Nitrit und produzieren ungiftiges Nitrat daraus. Diese Vorgänge ermöglichen den Fischen, die das Ammonium als Stoffwechselendprodukt ausscheiden, das Überleben in ihren eigenen Ausscheidungen. Daneben sind diese Vorgänge auch wichtig für die Pflanzen im Teich, die als höhere Konkurrenten die Nährstoffe, die in Form von Futter und Laub in den Teich gelangen, den Algen wegnehmen können. Ein gesunder Teich ist daher immer ein Lebensraum, in dem ausreichend Sauerstoff für alle Lebensvorgänge zur Verfügung steht. Faulgase von dicken Schlammschichten auf dem Boden oder aus ungepflegten Filteranlagen bedrohen durch Schwefelwasserstoff und Methan die Gesundheit der Fische und der anderen Lebewesen im Teich, diese Stoffe entstehen unter sauerstofffreien Bedingungen. Zum guten Teichmanagement gehören daher auch die Filterpflege, der regelmäßige Teilwasserwechsel und die gelegentliche Teichreinigung.
ZOO & Co.: Frau Dr. Lechleiter, wir bedanken uns für das informative Gespräch mit den vielen Tipps.

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