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Kobra, übernehmen Sie! – Schlangengift in der Medizin Den Oberkörper weit angehoben, das Nackenschild gespreizt, fixiert die aufgeschreckte Kobra den möglichen Angreifer. Dabei schwankt sie mit dem Kopf hin und her, gefährlich zischend. Die Drohgebärde ist unmissverständlich: Wer sich jetzt nicht vorsichtig zurückzieht, hat verloren. Das Gift der Kobra, ein Neurotoxin, wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem, von wo aus es lebenswichtige Muskeln wie das Herz lähmt und die Atmung lahmlegt. Therapeutisch angewendet, kann Kobragift aber gerade im Atemzentrum auch Gutes bewirken…

Doch nicht nur Menschen, die an Asthma bronchiale leiden, können von dem eigentlich tödlichen Gift der Brillenschlange profitieren. So ist es Forschern der Universitäten Edinburgh und Zürich in Versuchen gelungen, den Ausbruch von BSE („Rinderwahn“) deutlich zu verzögern, indem sie einen Bestandteil des Kobragifts zur Stärkung eines mit BSE-Erregern infizierten Immunsystems einsetzten (Nature Medicine, April 2001). Dieses Ergebnis könnte sich auf die menschliche Creutzfeld-Jakob-Krankheit übertragen lassen.

Schlangenfreunde: Schulmedizin & Homöopathie

Sowohl Schulmedizin als auch Homöopathie setzen seit Jahren auf Schlangengiftkomponenten, zum Beispiel in der Krebsforschung, in der Behandlung von Bluthochdruck, Bronchitis, Allergien, Gelenkbeschwerden wie Rheuma sowie in der Neurobiologie und zur Blutgerinnung.

Die Südamerikanische Lanzenotter liefert mit ihrem Hämotoxin (Blut beeinflussendes Gift) zum Beispiel einen Stoff, der die Blutgerinnung stark beeinflusst. Praktisch unter anderem zur sofortigen Schließung von Operationswunden. Dazu wird dem Patienten vor der OP etwas Blut entnommen, das mit der aufbereiteten Substanz gemischt wird. Aufgetragen auf offene Gefäße und Wunden, verklumpt das austretende Blut schneller und die Wunde schließt sich. Das genaue Gegenteil bewirkt ein Stoff aus dem Gift der afrikanischen Viper. Es hemmt die Blutgerinnung und macht den „roten Lebenssaft“ dünnflüssiger. Hilfreich zum Beispiel bei verstopften Gefäßen und Thrombosen, die Herzinfarkte verursachen können.

Ähnlich wirkt eine Substanz aus dem Gift der Malaiischen Grubenotter, die Blut ebenfalls dünnflüssiger macht. Damit könnte sie als medizinische Sofortmaßnahme bei einem Hirnschlag dienen, der durch ein Blutgerinnsel verursacht wird.

Zum Schlangen Melken

Diese Einsatzmöglichkeit erforscht ein Pharma-Unternehmen aus Schleswig-Holstein in einer eigens dazu aufgebauten Schlangenfarm. Die dort untergebrachten, für die medizinische Nutzung gezüchteten Grubenottern – mehrere Hundert an der Zahl – liefern ihr Gift wie alle kriechenden „Medizin-Assistenten“ ab: Sie werden gemolken. Dazu massiert geschultes Fachpersonal die Giftdrüsen, nachdem die Schlangenzähne durch eine Membran über einem Behälter gesteckt wurden. Das abfließende Sekret wird anschließend tiefgefroren, gefriergetrocknet und granuliert.

Knapp zwei Jahrhunderte Entwicklung

In der Homöopathie werden Schlangengifte schon seit ca. 200 Jahren gezielt eingesetzt, anfangs allerdings nur in sehr stark verdünntem Zustand. Denn erst Dr. Waldemar Diesing gelang es 1937, die hochgiftigen Eiweißbrücken aus den Giften zu entfernen, aus denen diese zu 85 Prozent bestehen, was die meisten therapeutischen Einsätze verhinderte. Diesing ist zu verdanken, dass Schlangen- und andere Tiergifte seitdem als reine Enzymkomplexe in Form von Reintoxinen arzneimitteltechnisch eingesetzt werden können.

Enzyme, von denen Schlangengifte zwischen 35 und 50 verschiedene Arten enthalten, beeinflussen Stoffwechsel und Zellfunktionen und sind somit vielseitige Helfer im Kampf für die Gesundheit – so kann es zukünftig sicher noch erfolgreicher heißen: Kobra, übernehmen Sie!

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