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Sprechen Sie Wölfisch?

Zu 99,97 % verwandt: Hunderassen wie dem Husky sieht man es besonders deutlich an: Zu 99,97 Prozent sind Wölfe und Hunde genetisch miteinander verwandt. Das lässt natürlich auch Schlüsse von wölfischem auf hündisches Verhalten zu, wie die Forschungsarbeit von Günther Bloch belegt.

 

Dass der Hund vom Wolf abstammt, ist bekannt. Von dieser Erkenntnis aus haben sich jedoch etliche Missverständnisse in die heutige Hundeerziehung eingeschlichen – Missverständnisse, die unter anderem auf falschen Annahmen über das Verhalten von Wölfen basieren. Der Kölner Hunde- und Wolfsexperte Günther Bloch hat beide Spezies ein Leben lang untersucht und ihnen etliche aufschlussreiche Bücher gewidmet. In seinem Buch „Wölfisch für Hundehalter“ stellt er gemeinsam mit Co-Autorin und Wolfsexpertin Elli H. Radinger die populärsten Irrtümer auf unterhaltsame, aufschlussreiche Art richtig.

 

Warum sollte man als Hundebesitzer Wölfisch lernen? „Die Frage ist berechtigt“, sagt Günther Bloch, „denn Wolf und Hund sind in vielem verschieden. Durch ihre genetische Verwandtschaft von 99.97 % haben sie jedoch auch eine Menge Gemeinsamkeiten.“ Das konnte der Kynologe in jahrzehntelanger Beobachtung an frei lebenden Wölfen und Hunden bestätigen. Die Betonung liegt hierbei auf „frei lebend“, denn die Verhaltensbeobachtung von wilden Kaniden hat Günther Bloch und seiner Kollegin Elli H. Radinger klar gezeigt, dass sich Wolf wie Hund in vielerlei Hinsicht anders verhalten als Tiere in Gehegen.

So lässt sich zum Beispiel die Annahme des ewig dominanten Alpha-Wolfes bei der Beobachtung wilder Wölfe nicht bestätigen. „Frei lebende Wölfe brauchen sehr viel Energie bei der Nahrungssuche und beim Umherwandern im Revier“, erklärt Günther Bloch. Dieser Energieverbrauch findet in Gefangenschaft nicht statt – entsprechend beobachtet man dort viel häufiger aggressive Verhaltenstendenzen als in freier Wildbahn. Ebenso pflegen Wölfe in Gefangenschaft keine Kultur des gemeinschaftlichen Jagens, weil sie gefüttert werden – ein wichtiger Teil des wölfischen Zusammenlebens entfällt somit. Und schließlich können sich Wölfe im Gehege nicht aus dem Weg gehen, was besonders während der Paarungszeit zu einer sehr viel aggressiveren Stimmung beiträgt, als es in freier Natur der Fall ist.

 

Wenn man Wölfe in freier Wildbahn beobachtet, ergibt sich ein facettenreicheres Bild dieser sozialen Tiere. Günther Bloch arbeitet seit 1991 in verschiedenen kanadischen Nationalparks, vor allem in Banff, Elli H. Radinger im US-amerikanischen Yellowstone-Nationalpark. Darüber hinaus ist Günther Bloch bereits seit 1977 Besitzer der Hunde-Farm Eifel, eines 10.000 Quadratmeter großen Areals in der Nähe des Kurortes Bad Münstereifel, das aus einer Abteilung für Verhaltensforschung an Wolf und Hund, einer von Angelika Lanzerath geleiteten Hundeschule und einer Hundepension besteht, die Daniela Sommerfeld untersteht. Das Buch „Wölfisch für Hundehalter“ basiert demnach auf vielfältigen Erfahrungswerten.

Fakt ist ...

Von der Mensch-Hund-Beziehung über die soziale Lebensweise von Menschen, Wölfen und Hunden bis hin zum Territorial- und Jagdverhalten zeigen die Autoren Wolfsverhalten auf und setzen es in den Kontext der Mensch-Hund-Beziehung. Dabei räumen sie mit vielen falschen Annahmen auf. Ein Beispiel:

 

Behauptet wird...

... dass der Alpharüde alle anderen im Rudel dominiert und sich nur mit der Alpha-Wölfin verpaart.

 

Fakt ist ...

... dass die „Alphanummer“ allein deswegen schon nicht stimmt, weil oft die Weibchen die Entscheidungsträgerinnen in den Wolfsfamilien sind. Zudem werden in freier Wildbahn immer wieder auch Mehrfachverpaarungen beobachtet.

 

Bedeutung für den Hundehalter:

„In der Mensch-Hund-Beziehung existiert keine soziale Rangordnung, schon allein deshalb, weil der Mensch sich nicht mit dem Hund verpaaren kann“, bilanzieren die Autoren. „Da wir aber die ‚Ersatzeltern’ für unsere Hunde sind, müssen wir soziale Kompetenz ausstrahlen. Dies tun wir nicht, indem wir unsere Hunde ständig maßregeln oder womöglich noch auf sie einprügeln, sondern indem wir unseren Tieren Lebenserfahrung und Wissen vermitteln.“ Der Hundehalter hat also die Pflicht, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, anstatt den Alpharüden zu spielen.

 

Konkrete Problemfälle im Umgang mit Hunden können durch den Vergleich mit wölfischem Verhalten gänzlich anders angegangen werden, als vielfach vermutet wird, wie die Autoren aufzeigen. So räumen sie auf mit der Annahme, dass ein alter, verletzter Wolf aus dem Rudel verstoßen wird und unsere Hunde entsprechend auch versuchen könnten, die Oberhand zu gewinnen, wenn es uns nicht gut geht. Das Gegenteil ist der Fall, wie viele Hundebesitzer wissen: Unsere Vierbeiner merken schnell, wenn etwas nicht stimmt, und bleiben gerade dann in unserer Nähe, um uns zu beschützen.

Problemfälle aus Wolfssicht

Ein klassischer Problemfall etlicher Hundehalter ist das Hochspringen des Hundes am Menschen. Will der Vierbeiner dominieren? „Nein!“, sagen die Wolfsexperten. Das „Anspringen“ oder auch „sich mit den Pfoten auf den Rücken des anderen stellen“ hat zunächst einmal pauschal nichts mit Rang, Alter oder Geschlecht zu tun, sondern kann genauso gut der sozialfreundlichen Kontaktaufnahme dienen – oder auch der Begrüßung. In freier Wildbahn hat Günther Bloch beobachtet, dass es sogar häufig vorkommt, dass rangniedere Wölfe sich bei der Begrüßung dem Papa oder der Mama auf den Rücken stellen. „Dann wird anschließend gemeinsam geheult“, beschreibt Günther Bloch das soziale Geschehen.

Mythos Dominanz

Das Dominanz-Thema ist also in vielerlei Hinsicht ein Mythos, wie die Beobachtung frei lebender Wölfe und Hunde belegt. „Jede Kanidenfamilie ist eine Gemeinschaft, die verletzte Mitglieder oft so lange sozial unterstützt oder ihnen Nahrung bringt, bis sie wieder gesund sind“, stellt Günther Bloch klar. Er hat beobachtet, dass Kaniden bewusst den (Körper-) Kontakt zum verletzten Familienmitglied suchen, um ihm beizustehen. Auch dem bis heute umstrittenen Thema „Emotionen“ widmen die Buchautoren ein Kapitel. Können Hunde und Wölfe Emotionen empfinden? „Ja“, antworten sie übereinstimmend. „Obwohl es in Teilen der Wissenschaft immer noch umstritten ist, sind wir uns darüber einig, dass die Tiere Emotionen und Gefühle haben und ausdrücken.“ So sei zum Beispiel die Annahme falsch, dass Wölfe sich immer emotional souverän, stabil und geduldig verhielten. „Auch Wolfseltern können manchmal launenhaft reagieren. Ärger, Frust, Wut und Ungeduld, aber auch Freude, Liebe, Begeisterung und Spaß haben ihren Platz im Wolfsalltag.“ Für den Hundebesitzer bedeutet das, seinem Vierbeiner durchaus das eigene Befinden zu signalisieren – allerdings in einem ausgewogenen Verhältnis. Freut sich der Hund, wenn Sie abends von der Arbeit nach Hause kommen, dann ist es für ihn äußerst irreführend, wenn Sie einen schlechten Tag hatten und den Frust an ihm auslassen. Umgekehrt dürfen Sie ruhig sauer sein und das auch zeigen, wenn der Vierbeiner etwas angestellt hat. So manch falsche Annahmen über Hundeerziehung können Günther Bloch und Elli H. Radinger mit Hinweis auf den Wolfsalltag klar ausräumen. Beispiel Stubenreinheit:

 

Behauptet wird ...

... dass Wölfinnen ihre Welpen in Urin und Kot werfen, um sie zur Reinlichkeit zu erziehen, wenn die Häufchen in der Nähe des Baus liegen.

 

Fakt ist ...

... dass die Mutter während der ersten vier Wochen für Reinlichkeit im Bau sorgt, indem sie den Kot frisst. Das haben Biologen belegt, die Wolfshöhlen regelmäßig untersuchten, nachdem die Familie ausgezogen war – der Bau wurde stets blitzsauber vorgefunden. „Darüber hinaus haben wir niemals beobachtet, dass Welpen vor der Höhle zur Reinlichkeit erzogen würden“, bilanziert Günther Bloch. Bedeutung für den Hundehalter: Was die Stubenreinheit betrifft, ist es „absoluter Schwachsinn“, den Hund mit der Nase in Urin und Kot zu stecken, sagen die Autoren übereinstimmend. „Wer einen Welpen stubenrein bekommen möchte, muss ihn sehr aufmerksam beobachten und ihn kurz nach dem Fressen oder Trinken, vor allem aber nach dem Schlafen und Spielen auf den Arm nehmen und ins Freie tragen.“ Dazu muss der Mensch gerade am Anfang auch nachts mehrmals aufstehen. Und hat der Welpe sein Geschäft draußen erledigt, wird natürlich ausgiebig gelobt!

Buchtipp

In „Wölfisch für Hundehalter“ sind viele weitere nützliche Tipps und Erziehungsmaßnahmen enthalten. Was tun, wenn der Vierbeiner menschlichen Besuch von Herrchen und Frauchen viel zu überschwänglich begrüßt oder gar verjagen will? Wie sich verhalten, wenn Ihr Hund beim Spaziergang abhaut und erst nach einer Weile zurückkommt? Fakt ist: Viele Verhaltensweisen des Hundes führen auf die Erziehung und das Sozialleben in Wolfsfamilien zurück – und daraus lassen sich etliche nützliche Erkenntnisse für uns Menschen im Zusammenleben mit unseren Hunden ableiten, die gar nicht so schwer zu verstehen und anzuwenden sind. (aa)

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