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Aquascaping: Grüner Daumen unter Wasser Angefangen hat alles 1994, als das erste Buch des Japaners Takashi Amano in deutscher Sprache erschien. In dem edlen schwarzen Werk mit dem Titel „Pflanzenparadiese unter Wasser“ waren Aquarienlandschaften abgebildet, die man in Europa so noch nicht gesehen hatte. Die Begeisterung mischte sich mit ungläubigem Staunen und bereits nach wenigen Jahren hatten die Naturaquarien einen großen Freundeskreis gefunden ...

Das leider vergriffene und mittlerweile zu Liebhaberpreisen gehandelte Buch war zuerst umstritten: „Das geht doch gar nicht, die Aquarien sehen doch nur für das Foto so aus, die funktionieren nie.“ Das waren die ersten ungläubigen Kommentare zu den einmaligen Layouts und Fotos von Takashi Amano. Wie ein Zen-Gärtner hat er seine Aquarien eingerichtet: Die klaren Formen, Farben und die Perfektion, die er bei den Aquarienlayouts an den Tag legt, ziehen nicht nur Aquarianer in ihren Bann. Aber Aquascaping funktioniert wirklich, wenn man sich an gewisse Regeln hält und sich mit der Materie beschäftigt.

Beim Layout fängt alles an

Häufig asymmetrisch aufgebaut, ziehen Steine und Wurzeln das Auge des Betrachters an. Pflanzen, die solche Elemente umgeben, verwandeln auch kleine Aquarien in Landschaften, die viel größer aussehen, als sie tatsächlich sind. Weniger ist hier mehr und es ist verblüffend, wie mit nur wenigen Wasserpflanzenarten und puristischer Dekoration aus Steinen oder Wurzeln Aquarien entstehen, die faszinieren und funktionieren.

Fische sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern durch ihren Stoffwechsel wichtige Stickstofflieferanten für die Wasserpflanzen. Generell sind Naturaquarien eher pflanzenlastig und man beschränkt sich auf wenige und kleiner bleibende Arten. Garnelen werden gerne in Naturaquarien gepflegt und die ersten faszinierenden Bilder von den Naturaquarien Takashi Amanos haben wohl den Garnelenboom begründet, denn in wirklich jedem Aquarium waren die Amano-Garnelen als Algenfresser zu finden.

Die richtige Ausrüstung für ein Aquascaping-Aquarium

Alles, was ein Pflanzenaquarium funktionieren lässt, ist gut für das Aquascaping: ausreichend Licht, Nährboden unter dem Kies, ein Bodenfluter, Mikro- und Makronährstoffe und natürlich eine CO2-Düngung für den wichtigsten Pflanzennährstoff Kohlendioxid. Das Licht ist der Motor des Pflanzenaquariums und 0,5 Watt pro Liter Aquarieninhalt sind bei Aquascaping-Aquarien eher die mittlere Leistung.

Einige Aquascaper verwenden sogar noch stärkere Beleuchtungen, wobei allerdings mehr Licht immer auch mehr Nährstoffverbrauch der Wasserpflanzen bedeutet. Starklichtaquarien verbrauchen so viele Nährstoffe, dass sogar Phosphor (P), Stickstoff (N) und Kalium (K) als NPK-Tagesdünger zugegeben werden müssen, damit keine Mangelerscheinungen bei den Pflanzen auftreten.

Das Einrichten


Typisch für einen Aquascaper ist das trockene Einrichten ohne Wasser. Das hört sich bei einem Aquarium komisch an, ist aber besser für die filigrane Arbeit. Das Werkzeug sieht aus wie ein kleines Operationsbesteck: Ein Kombispatel (groß und klein) modelliert den Boden und hilft die Steine oder Wurzeln richtig in das Grundlayout einzubinden. Viele Naturaquarien sind übrigens nicht flach aufgebaut, sondern haben erhöhte Bereiche, die mit Steinen terrassenförmig angelegt werden.

Eine lange Pinzette hilft, die kleinen Vordergrundpflanzen richtig zu setzen, ohne den Boden aufzuwühlen. Ein wichtiges Utensil beim trockenen Einrichten ist die Sprühflasche, die die zarten Pflanzen mit Feuchtigkeit benetzt und vor dem Austrocknen schützt. Das Trimmen der schon bald gut wachsenden Pflanzen übernimmt die lange Schere, deren Spitze leicht gebogen sein sollte.

Der Begriff "Aquascaping"


Das Wort setzt sich zusammen aus Aqua für Wasser und dem aus dem Englischen stammenden „Landscaping“. Man kann also vereinfacht sagen, dass es sich um Landschaftsgärtnern unter Wasser handelt. Für echte Aquascaper ist – ganz Zen – der Weg das Ziel: Wenn ein Aquarium perfekt aussieht, wird es nicht selten gegen ein neues Layout getauscht. Eintauchen in die Welt der Scaper kann man auch im weltweiten Netz z. B. unter www.flowgrow.de. Im Aquascaping-Mutterland Japan und in ganz Asien gibt es regelrechte Wettbewerbe und Meisterschaften rund um naturnah gestaltete Aquarien.

Nicht ganz so weit reisen muss man, wenn man in Deutschland an einem solchen Wettbewerb teilnehmen oder zuschauen möchte: Bei „The art of the planted aquarium“ (Die Kunst des Pflanzenaquariums) treffen sich jeden Februar die besten Aquascaper aus Deutschland und Europa in Hannover und zeigen ihre grüne Kunst. Die hier gezeigten Bilder sind dort entstanden.

ZOO & Co. stellt 2010 zwei deutsche Vizemeister


Wo sonst als in Berlin kann es eine Direkt-Ausscheidung zum Thema Aquarieneinrichten geben? Die Vorrundenaquarien wurden in verschiedenen Zoofachgeschäften aufgestellt und von den Teilnehmern gepflegt. Aus den Kategorien Hobbyund Profiliga traten die jeweils 5 besten Aquascaper auf der Messe Heimtier & Pflanze gegeneinander an und mussten aus vorhandenen Materialien in nur zwei Stunden ihr Aquarienlayout kreieren.

Auf dem Foto: Daniel Metzer von ZOO & Co. Duisburg vor seinem Vorrundenaquarium. Er hätte eigentlich neben dem 2. Platz in der Profiliga auch den Sonderpreis für die schnellste Aquarieneinrichtung gewinnen müssen, denn als andere Teilnehmer noch Steine sortierten, legte er schon Pinzette und Spatel beiseite und füllte das Wasser ein. „Man darf da nicht so lange rummachen, gelernt ist eben gelernt“, war sein einziger Kommentar. Frank Fiedler startete in der Hobbyliga und hatte sein Vorrundenaquarium bei ZOO & Co. Frechen aufgestellt. Er gewann in der Hobbyliga einen eindrucksvollen zweiten Platz.

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