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Rangordnung unter Katzen Auch Einzelgänger können sich nicht immer aus dem Weg gehen. Hilfreich, wenn Katzen untereinander dann auf eine Strategie zurückgreifen können, um ernste Zusammenstöße im Revier zu vermeiden. Das moderne Zauberwort heißt Zeitmanagement…

Reviergröße & Wegenetze

Das durchschnittliche Revier einer Katze ist zwischen 0,5 und 1 km² groß. Es besteht aus einem meist allein genutzten Heimbezirk (Revier 1. Ordnung) und einem mit anderen geteilten Streifgebiet (Revier 2. Ordnung). Alle Gebiete sind laut Verhaltensforscher Prof. Dr. Paul Leyhausen, der mehr als 30 Jahre lang das Verhalten von Katzen untersucht hat, durch ein Wegenetz verbunden und überlappen sich zum Teil. Dabei hängt die Reviergröße davon ab, ob die Katze auf dem Land oder in bebautem Gebiet lebt.

Allerdings ist das Revier nicht als bloßes räumliches, sondern als raum-zeitliches Gefüge zu verstehen, schreibt Leyhausen in „Katzen – eine Verhaltenskunde“ (Verlag Paul Parey, 1982). Denn die Rangordnung gilt meist nur für einen bestimmten Ort und wird immer wieder neu aufgestellt.

Gezielt aus dem Weg gehen


Ein Revier mit Pfaden, Jagdbereichen, Ruheplätzen und Aussichtsposten wird von mehreren Katzen unabhängig voneinander genutzt, nicht gemeinsam. Um bei ihren Streifzügen unerwünschte Begegnungen mit Artgenossen zu vermeiden, folgen Katzen einem genauen Zeitplan. Dieses Zeitmanagement erarbeiten sie unter anderem, indem sie aus Duftmarken und Kratzspuren anderer schlussfolgern, wann diese gewohnheitsmäßig das Revier betreten und welche Richtung sie genommen haben. Mit ihren scharfen Sinnen ist es den Tieren möglich, eine Tour einzuschlagen, die höchstwahrscheinlich zu keiner Begegnung führt. In Ausnahmefällen ist aber auch eine gemeinsame Reviernutzung möglich: Bei von Menschen angelegten Fütterungsstellen gilt eine feste Fressenszeit, die ein Aus-dem-Weg-Gehen verhindert.

Wenn man sich doch begegnet…


Doch wie verhalten sich Katzen, die sich trotz zeitlich präzise abgestimmter Tour in ihrem Revier begegnen? Leyhausen beobachtete, dass in diesem Fall ein Blick mehr sagt als Worte und Krallen, und beschrieb mehrere Szenarien: Eine Katze wartet, bis der Pfad frei ist, um ihn erst abzuschreiten, wenn die andere außer Sicht ist. Oder beide Katzen nehmen gegenüber Platz und starren sich an, bis sich irgendwann eine aufrafft und zunächst zögernd, dann recht schnell an der anderen vorbeirast und sich davonmacht. Oder beide Katzen ziehen sich nahezu gleichzeitig aus dem Blickfeld der anderen zurück. Eine dieser Szenarien kann auch von Imponiergehabe wie Buckeln, Fauchen, Fellsträuben und Spucken begleitet sein, mit dem die Katze klar signalisiert: Lass mich in Ruhe, hau ab!

Höchst selten resultiert eine solche Begegnung in einer Vertreibung oder gar in einem Angriff. Das kommt vor allem dann vor, wenn das Treffen beide Katzen wie aus heiterem Himmel überrascht, was aufgrund der extrem feinen Katzensinne eher unwahrscheinlich ist.

Relative Rangordnung – alles ist offen…


Aus solchen Auseinandersetzungen entsteht aber keine immer und überall geltende Rangordnung das Revier betreffend. Vielmehr bleibt die bewiesene Überlegenheit der einen Katze auf diesen Ort und auf diese Zeit beschränkt. An einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit kann ein Kampf derselben Katzen anders ausgehen oder völlig ausbleiben, schreibt Leyhausen. Der Wissenschaftler bezeichnet dies als „relative soziale Hierarchie“ oder „relative Rangordnung“ im Gegensatz zur „absoluten Rangordnung“ bei Herden- oder Rudeltieren.

Doch auch bei der relativen Rangordnung bestätigen Ausnahmen die Regel: Manchmal ist die Katze ranghöher, die ein Revier zuerst besetzt, die andere muss warten oder kann versuchen, der ersten den momentanen Rang abzuluchsen. Ganz selten, etwa bei einer tief sitzenden Feindschaft zweier Nachbarkatzen, hat sich die eine über die andere einen immer geltenden höheren Rang erarbeitet. Möglich ist auch folgendes Szenario: Eine Katze hat erkannt, dass von einer anderen keine Rivalität ausgeht, weil diese z. B. durch ein Gebrechen stets unterlegen sein wird. Diesem Tier gestattet sie normalerweise die Nutzung ihres Jagdreviers, jagt vielleicht sogar mit ihr dort zur gleichen Zeit, aber eben nicht gemeinsam.

Geselligkeit, aber in Maßen


Das Sozialverhalten der Katzen wird zwischen der 2. und 7. Lebenswoche geprägt. Je nachdem, wie diese Sozialisierungsphase verläuft, nehmen die Tiere gerne auf neutralem Gebiet am geselligen Austausch untereinander teil. Hier steht auch sozialer Körperkontakt auf dem Programm, und selbst freilebende Hauskatzen und wilde Katzen, die sich woanders aus dem Weg gehen oder gekämpft haben, sind hier laut Leyhausen friedlich.

Machogehabe der Kater


Ist der Rang das Revier betreffend an Ort und Zeit gebunden, sieht das bei Rivalenkämpfen unter Katern anders aus: Die Stellung potenter Kater kann absolut sein und der von Rudeltieren ähneln. Doch anders als z. B. bei Wölfen mausert sich der stärkste Kater nicht zum „Alphakater“ der gesamten Nachbarschaft, der das alleinige Sagen und Paarungsrecht hat. Allein schon deswegen nicht, weil das Weibchen ihren Partner auswählt und eventuell Gefallen an einem rangniedrigeren Kater findet.

Gemeinschaft auf Zeit: Wurfgeschwister


Ein enges Zusammenleben mehrerer Katzen an einem Ort ergibt sich z. B. in einem Wurf. In diesem erobert das stärkste Kitten die ergiebigste Zitze, was ihm einen Entwicklungsvorsprung vor seinen Wurfgeschwistern sichert – auf Zeit. Denn durch Rangeleien kann sich diese Vorrangsstellung im Familienverbund schnell ändern. Kommen Geschwister ins gleiche Zuhause, ist ein friedliches Zusammenleben meist garantiert, wenn sie über ausreichend Rückzugs- und Ruheplätze verfügen.

Stark bevölkertes Revier


Je übervölkerter ein Gebiet, auch eine Wohnung, mit Katzen ist, so Leyhausen, desto größer ist die Gefahr, dass sich ein Tier zum absoluten Despoten entwickelt. Und doch sind Katzen anpassungsfähig und in der Lage, unter diesen Bedingungen funktionierende Gemeinschaften zu bilden. Bei mehreren Wohnungskatzen z. B., die erst in erwachsenem Alter vergesellschaftet werden, bildet sich in den meisten Fällen folgende teils absolute, teils relative Rangordnung heraus: Ein oder zwei Obertiere beanspruchen die besten Plätze und ein Vorrecht am Futterplatz.

Allerdings ist auch ihr Rang nicht absolut, denn rangniedrigeren Katzen ist es gestattet, die „reservierten“ Ruheplätze zu nutzen, wenn sie nicht belegt sind. Unterhalb der Obertiere existiert eine Mittelgruppe ohne erkennbare Rangordnung. Ihr Miteinander wird durch Sympathien und Antipathien gesteuert. Schließlich gibt es ein oder zwei Katzen, die ganz unten stehen. Diese sogenannten Parias sind kaum geduldet und häufig Angriffen ausgesetzt.

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